Closer

"Unknown Pleasures – ein Klangkosmos, der die Dunkelheit greifbar macht und die Unruhe einer ganzen Generation einfängt. Joy Division verweben minimalistische Rhythmen mit einer schmerzhaften Tiefe, die unter die Haut geht. Ein Album, das nicht nur gehört, sondern gefühlt werden muss – roh, intensiv und zeitlos."

Written by: Gothic-Culture
Artist: Joy-Division
1.2k Views
13 Min Read
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Closer ist das zweite und zugleich letzte Studioalbum der legendären Post-Punk-Band Joy Division. Es wurde am 18. Juli 1980 veröffentlicht, zwei Monate nach dem tragischen Tod des Sängers Ian Curtis, der die Band für immer prägte. Das Album erschien unter dem Label Factory Records, das maßgeblich dazu beitrug, die britische Post-Punk-Szene zu definieren.

Die Band, bestehend aus Ian Curtis (Gesang), Bernard Sumner (Gitarre, Keyboard), Peter Hook (Bass) und Stephen Morris (Schlagzeug), erschuf mit „Closer“ ein Werk, das sowohl inhaltlich als auch musikalisch von einer düsteren und introspektiven Atmosphäre geprägt ist. Die Produktion übernahm erneut Martin Hannett, der mit seinem innovativen Ansatz einen unverwechselbaren Klang erzeugte, der heute als prägend für die Ära gilt. Hannetts Produktion verlieh dem Album einen klaustrophobischen und ätherischen Charakter, der Curtis‘ tiefgründige, oft schmerzhafte Texte perfekt untermalte.

„Closer“ eröffnet mit „Atrocity Exhibition“, einem verstörenden und intensiven Stück, das sofort den düsteren und experimentellen Charakter des Albums verdeutlicht. Der Titel, inspiriert von J.G. Ballards gleichnamigem Roman, beschreibt eine makabere Schau menschlicher Abgründe, ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht. Musikalisch baut der Song eine bedrohliche und hypnotische Atmosphäre auf, geprägt von Stephen Morris’ tribalartigen Schlagzeugrhythmen, die wie ein primitives Ritual wirken. Peter Hooks treibender Bass und Bernard Sumners schroffe, verzerrte Gitarrenriffs fügen eine dissonante, fast chaotische Klanglandschaft hinzu, die den Hörer in eine surreale Welt zieht. Über all dem schwebt Ian Curtis’ eindringliche Stimme, die wie ein distanzierter Erzähler die dunklen Seiten der menschlichen Existenz kommentiert. Der mantraartige Refrain verstärkt das Gefühl von Beklemmung und Unentrinnbarkeit und macht den Song zu einem unvergesslichen Auftakt.

Mit „Isolation“ folgt ein scheinbar kontrastierender Track, dessen schnellere Synthesizer-Rhythmen und hellere Klangfarbe zunächst fast tanzbar wirken. Doch die Leichtigkeit der Musik täuscht: Darunter verbirgt sich eine schmerzhafte Verletzlichkeit. Curtis’ Texte enthüllen tiefe emotionale Konflikte, geprägt von Einsamkeit und innerer Zerrissenheit. Zeilen wie „Mother I tried please believe me, I’m doing the best that I can“ lassen den verzweifelten Versuch spüren, verstanden und akzeptiert zu werden. Die Gegenüberstellung von den eingängigen, fast poppigen Synthesizern und den düsteren Texten erzeugt eine emotionale Spannung, die den Song zu einem der eindringlichsten auf dem Album macht.

„Passover“, der dritte Track, taucht noch tiefer in die melancholische und introspektive Stimmung des Albums ein. Hier wird die Musik zurückhaltender, fast sakral, was durch Hooks hypnotische Basslinie und Sumners minimalistische Gitarrenarbeit verstärkt wird. Morris’ Schlagzeugspiel ist reduziert und schafft eine gedämpfte, nachdenkliche Atmosphäre, die Curtis’ Gesang in den Vordergrund rückt. Seine Texte sind philosophisch und scheinen mit Themen wie Schuld, Vergänglichkeit und innerem Konflikt zu ringen. Die Musik wirkt wie ein stiller Raum für Curtis’ Reflexionen und zieht den Hörer mit ihrer meditativen Qualität in den Bann.

„Colony“ bringt eine intensivere und aggressivere Dynamik in das Album. Der Song zeichnet sich durch seine treibenden Drums, die wütenden Gitarrenriffs und die markante Basslinie aus, die zusammen eine drückende, fast klaustrophobische Klangwand erzeugen. Curtis’ Gesang ist kraftvoll und verzweifelt, und die Texte scheinen von Unterdrückung und psychischer Belastung zu handeln. Die Energie des Songs ist roher und direkter als bei den vorangegangenen Tracks, was ihm eine drängende, fast eruptive Qualität verleiht.

Mit „A Means to an End“ schließt die erste Hälfte des Albums. Der Song wird von einer kraftvollen, treibenden Basslinie dominiert, während die Gitarren und Synthesizer einen dunklen, repetitiven Klangteppich weben. Curtis wiederholt in einem mantraartigen Tonfall die Worte „I put my trust in you“, die wie eine verzweifelte Beschwörung klingen. Der Song scheint den Bruch zwischen Vertrauen und Verrat zu thematisieren und verstärkt das Gefühl emotionaler Unruhe, das sich durch das Album zieht.

Die zweite Hälfte von „Closer“ beginnt mit „Heart and Soul“, einem der atmosphärischsten Stücke des Albums. Die reduzierte Instrumentierung, geprägt von einer pulsierenden Basslinie und sanften Synthesizern, schafft eine ätherische, fast geisterhafte Klangwelt. Curtis’ Texte sind introspektiv und philosophisch, er reflektiert über die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Suche nach Bedeutung. Die Kombination aus minimalistischer Produktion und tiefgründiger Lyrik macht den Song zu einem weiteren Highlight des Albums.

„Twenty Four Hours“ ist ein Song voller emotionaler Intensität, der zwischen ruhigen, fast resignierten Momenten und explosiven, verzweifelten Ausbrüchen wechselt. Die rohe Energie des Songs wird durch die drängenden Drums und den verzerrten Bass getragen, während Curtis mit seiner Stimme die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs ausdrückt. Die Texte wirken wie ein Tagebucheintrag voller Schmerz, Schuld und der Sehnsucht nach Erlösung, was den Song zu einem der ergreifendsten Momente des Albums macht.

„The Eternal“ ist eine düstere Elegie, die mit ihrem langsamen Tempo und der sparsamen Instrumentierung fast zeremoniell wirkt. Das leise, klagende Piano und die sanfte Basslinie erzeugen eine erdrückende Schwere, während Curtis über Verlust und die Vergänglichkeit des Lebens reflektiert. Zeilen wie „Cry like a child, though these years make me older“ lassen die emotionale Tiefe und Verletzlichkeit spürbar werden. Der Song wirkt wie ein langsames Hineingleiten in einen melancholischen Abschied.

Den Abschluss des Albums bildet „Decades“, ein episches und tieftrauriges Stück, das die düstere Reise von Closer beendet. Der treibende Synthesizer und die schwere, fast orchestrale Atmosphäre verleihen dem Song eine majestätische Traurigkeit. Curtis fragt in seinen Texten nach dem Verbleib von verlorenen Träumen und Menschen: „Where have they been?“ und „Where have I been?“. Der Song klingt wie ein endgültiger Abschied und hinterlässt beim Hörer das Gefühl, etwas Großes, Dunkles und Unausweichliches erlebt zu haben.

Joy Division
Closer

5 out of 5
This product offers great value with impressive performance, but there are a few drawbacks to consider.
Kreativität 5 out of 5
Instrumentierung 5 out of 5
Gesang 5 out of 5
Produktion 5 out of 5
Atmosphäre 5 out of 5
Cover Art 5 out of 5
Release:Closer
Artist:Joy Division
Label:Factory Records
Release Date:Juli 1980
Duration:44 Min. 22 Sek
Tracks:9
Styles:Post-Punk, Darkwave, Gothic Rock, Art Rock, Alternative Rock
Tracklist:
  1. Atrocity Exhibition – 6:06
  2. Isolation – 2:53
  3. Passover – 4:47
  4. Colony – 3:55
  5. A Means to an End – 4:07
  6. Heart and Soul – 5:51
  7. Twenty Four Hours – 4:26
  8. The Eternal – 6:07
  9. Decades– 6:10

Die Tracklist von Closer vereint musikalische Intensität und emotionale Tiefe. Jeder der neun Songs erschafft eine einzigartige Atmosphäre, die die existenzielle Dunkelheit und den unverwechselbaren Sound der Band Joy Division widerspiegelt.
Listen ON:

Die Cover-Art von „Closer“ ist genauso ikonisch wie die Musik selbst und trägt wesentlich zur düsteren, introspektiven Atmosphäre des Albums bei. Das Artwork wurde von Peter Saville, dem langjährigen Grafikdesigner von Factory Records, entworfen und ist ein Meisterwerk minimalistischer Ästhetik, das zugleich Tiefe und Bedeutung vermittelt. Es zeigt eine schwarz-weiße Fotografie eines Marmordenkmals aus dem Familiengrab der Appiani, das sich auf dem historischen Friedhof Staglieno in Genua, Italien, befindet.

Die Fotografie wurde von Bernard Pierre Wolff aufgenommen und zeigt eine Grabskulptur, die trauernde, in edlen Gewändern gehüllte Figuren darstellt, die um einen Toten trauern. Diese Figuren sind in ihrer Ausführung äußerst detailreich und vermitteln eine stille, aber ergreifende Stimmung der Endgültigkeit und des Verlustes. Die Wahl dieses Bildes war kein Zufall: Es greift die zentralen Themen des Albums – Tod, Trauer, Vergänglichkeit und Isolation – auf und ergänzt sie auf visueller Ebene. Besonders bemerkenswert ist die tiefe Symbolik, die im Gegensatz zu anderen Albumcovern dieser Ära nicht direkt plakativ wirkt, sondern subtil und nachdenklich ist.

Die gesamte Gestaltung des Covers ist in monochromem Schwarz-Weiß gehalten, was die zeitlose und unerschütterliche Ästhetik des Albums unterstreicht. Das minimalistische Layout ohne jegliche grellen Farben oder auffälligen Schriftzüge spiegelt die emotionale Zurückhaltung und Eleganz wider, die auch in der Musik zu finden ist. Der Schriftzug „Joy Division“ und der Albumtitel „Closer“ sind klein und dezent am unteren Rand platziert, was den Fokus vollständig auf das Bild lenkt.

Die Wahl dieses Grabmals als Motiv sorgte jedoch nach der Veröffentlichung des Albums für Kontroversen. Da „Closer“ nur wenige Wochen nach dem tragischen Tod von Ian Curtis veröffentlicht wurde, empfanden viele das Bild als makaber oder unangemessen. Tatsächlich war die Entscheidung für das Motiv bereits getroffen und das Design abgeschlossen, bevor Curtis’ Tod eintrat, was das Cover nachträglich noch schicksalhafter wirken lässt.

Die Kombination aus der erhabenen Traurigkeit der Skulptur und der reduzierten, nüchternen Gestaltung macht die Cover-Art zu einem perfekten visuellen Spiegelbild der Musik von „Closer“. Es ist nicht nur eine visuelle Ergänzung des Albums, sondern ein integraler Bestandteil der Gesamtwirkung – ein Kunstwerk, das auf mehreren Ebenen interpretiert werden kann und dabei genauso zeitlos bleibt wie die Musik selbst.

„Closer“ spiegelt die außergewöhnliche Chemie zwischen den Bandmitgliedern Ian Curtis, Bernard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris, die innovative Vision des Produzenten Martin Hannett und die kreative Energie der aufstrebenden Musikszene Manchesters wider. Zusammen mit „Unknown Pleasures“, dem Debütalbum von Joy Division, das am 15. Juni 1979 veröffentlicht wurde und als Wendepunkt in der Musikgeschichte gilt, markiert „Closer“ die dunkle, introspektive Ästhetik einer Ära und definiert zugleich eine neue musikalische Sprache.

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Closer ist das zweite und zugleich letzte Studioalbum der legendären Post-Punk-Band Joy Division. Es wurde am 18. Juli 1980 veröffentlicht, zwei Monate nach dem tragischen Tod des Sängers Ian Curtis, der die Band für immer prägte. Das Album erschien unter dem Label Factory Records, das maßgeblich dazu beitrug, die britische Post-Punk-Szene zu definieren.

Die Band, bestehend aus Ian Curtis (Gesang), Bernard Sumner (Gitarre, Keyboard), Peter Hook (Bass) und Stephen Morris (Schlagzeug), erschuf mit „Closer“ ein Werk, das sowohl inhaltlich als auch musikalisch von einer düsteren und introspektiven Atmosphäre geprägt ist. Die Produktion übernahm erneut Martin Hannett, der mit seinem innovativen Ansatz einen unverwechselbaren Klang erzeugte, der heute als prägend für die Ära gilt. Hannetts Produktion verlieh dem Album einen klaustrophobischen und ätherischen Charakter, der Curtis‘ tiefgründige, oft schmerzhafte Texte perfekt untermalte.

„Closer“ eröffnet mit „Atrocity Exhibition“, einem verstörenden und intensiven Stück, das sofort den düsteren und experimentellen Charakter des Albums verdeutlicht. Der Titel, inspiriert von J.G. Ballards gleichnamigem Roman, beschreibt eine makabere Schau menschlicher Abgründe, ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht. Musikalisch baut der Song eine bedrohliche und hypnotische Atmosphäre auf, geprägt von Stephen Morris’ tribalartigen Schlagzeugrhythmen, die wie ein primitives Ritual wirken. Peter Hooks treibender Bass und Bernard Sumners schroffe, verzerrte Gitarrenriffs fügen eine dissonante, fast chaotische Klanglandschaft hinzu, die den Hörer in eine surreale Welt zieht. Über all dem schwebt Ian Curtis’ eindringliche Stimme, die wie ein distanzierter Erzähler die dunklen Seiten der menschlichen Existenz kommentiert. Der mantraartige Refrain verstärkt das Gefühl von Beklemmung und Unentrinnbarkeit und macht den Song zu einem unvergesslichen Auftakt.

Mit „Isolation“ folgt ein scheinbar kontrastierender Track, dessen schnellere Synthesizer-Rhythmen und hellere Klangfarbe zunächst fast tanzbar wirken. Doch die Leichtigkeit der Musik täuscht: Darunter verbirgt sich eine schmerzhafte Verletzlichkeit. Curtis’ Texte enthüllen tiefe emotionale Konflikte, geprägt von Einsamkeit und innerer Zerrissenheit. Zeilen wie „Mother I tried please believe me, I’m doing the best that I can“ lassen den verzweifelten Versuch spüren, verstanden und akzeptiert zu werden. Die Gegenüberstellung von den eingängigen, fast poppigen Synthesizern und den düsteren Texten erzeugt eine emotionale Spannung, die den Song zu einem der eindringlichsten auf dem Album macht.

„Passover“, der dritte Track, taucht noch tiefer in die melancholische und introspektive Stimmung des Albums ein. Hier wird die Musik zurückhaltender, fast sakral, was durch Hooks hypnotische Basslinie und Sumners minimalistische Gitarrenarbeit verstärkt wird. Morris’ Schlagzeugspiel ist reduziert und schafft eine gedämpfte, nachdenkliche Atmosphäre, die Curtis’ Gesang in den Vordergrund rückt. Seine Texte sind philosophisch und scheinen mit Themen wie Schuld, Vergänglichkeit und innerem Konflikt zu ringen. Die Musik wirkt wie ein stiller Raum für Curtis’ Reflexionen und zieht den Hörer mit ihrer meditativen Qualität in den Bann.

„Colony“ bringt eine intensivere und aggressivere Dynamik in das Album. Der Song zeichnet sich durch seine treibenden Drums, die wütenden Gitarrenriffs und die markante Basslinie aus, die zusammen eine drückende, fast klaustrophobische Klangwand erzeugen. Curtis’ Gesang ist kraftvoll und verzweifelt, und die Texte scheinen von Unterdrückung und psychischer Belastung zu handeln. Die Energie des Songs ist roher und direkter als bei den vorangegangenen Tracks, was ihm eine drängende, fast eruptive Qualität verleiht.

Mit „A Means to an End“ schließt die erste Hälfte des Albums. Der Song wird von einer kraftvollen, treibenden Basslinie dominiert, während die Gitarren und Synthesizer einen dunklen, repetitiven Klangteppich weben. Curtis wiederholt in einem mantraartigen Tonfall die Worte „I put my trust in you“, die wie eine verzweifelte Beschwörung klingen. Der Song scheint den Bruch zwischen Vertrauen und Verrat zu thematisieren und verstärkt das Gefühl emotionaler Unruhe, das sich durch das Album zieht.

Die zweite Hälfte von „Closer“ beginnt mit „Heart and Soul“, einem der atmosphärischsten Stücke des Albums. Die reduzierte Instrumentierung, geprägt von einer pulsierenden Basslinie und sanften Synthesizern, schafft eine ätherische, fast geisterhafte Klangwelt. Curtis’ Texte sind introspektiv und philosophisch, er reflektiert über die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Suche nach Bedeutung. Die Kombination aus minimalistischer Produktion und tiefgründiger Lyrik macht den Song zu einem weiteren Highlight des Albums.

„Twenty Four Hours“ ist ein Song voller emotionaler Intensität, der zwischen ruhigen, fast resignierten Momenten und explosiven, verzweifelten Ausbrüchen wechselt. Die rohe Energie des Songs wird durch die drängenden Drums und den verzerrten Bass getragen, während Curtis mit seiner Stimme die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs ausdrückt. Die Texte wirken wie ein Tagebucheintrag voller Schmerz, Schuld und der Sehnsucht nach Erlösung, was den Song zu einem der ergreifendsten Momente des Albums macht.

„The Eternal“ ist eine düstere Elegie, die mit ihrem langsamen Tempo und der sparsamen Instrumentierung fast zeremoniell wirkt. Das leise, klagende Piano und die sanfte Basslinie erzeugen eine erdrückende Schwere, während Curtis über Verlust und die Vergänglichkeit des Lebens reflektiert. Zeilen wie „Cry like a child, though these years make me older“ lassen die emotionale Tiefe und Verletzlichkeit spürbar werden. Der Song wirkt wie ein langsames Hineingleiten in einen melancholischen Abschied.

Den Abschluss des Albums bildet „Decades“, ein episches und tieftrauriges Stück, das die düstere Reise von Closer beendet. Der treibende Synthesizer und die schwere, fast orchestrale Atmosphäre verleihen dem Song eine majestätische Traurigkeit. Curtis fragt in seinen Texten nach dem Verbleib von verlorenen Träumen und Menschen: „Where have they been?“ und „Where have I been?“. Der Song klingt wie ein endgültiger Abschied und hinterlässt beim Hörer das Gefühl, etwas Großes, Dunkles und Unausweichliches erlebt zu haben.

Joy Division
Closer

5 out of 5
This product offers great value with impressive performance, but there are a few drawbacks to consider.
Kreativität 5 out of 5
Instrumentierung 5 out of 5
Gesang 5 out of 5
Produktion 5 out of 5
Atmosphäre 5 out of 5
Cover Art 5 out of 5
Release:Closer
Artist:Joy Division
Label:Factory Records
Release Date:Juli 1980
Duration:44 Min. 22 Sek
Tracks:9
Styles:Post-Punk, Darkwave, Gothic Rock, Art Rock, Alternative Rock
Tracklist:
  1. Atrocity Exhibition – 6:06
  2. Isolation – 2:53
  3. Passover – 4:47
  4. Colony – 3:55
  5. A Means to an End – 4:07
  6. Heart and Soul – 5:51
  7. Twenty Four Hours – 4:26
  8. The Eternal – 6:07
  9. Decades– 6:10

Die Tracklist von Closer vereint musikalische Intensität und emotionale Tiefe. Jeder der neun Songs erschafft eine einzigartige Atmosphäre, die die existenzielle Dunkelheit und den unverwechselbaren Sound der Band Joy Division widerspiegelt.
Listen ON:

Die Cover-Art von „Closer“ ist genauso ikonisch wie die Musik selbst und trägt wesentlich zur düsteren, introspektiven Atmosphäre des Albums bei. Das Artwork wurde von Peter Saville, dem langjährigen Grafikdesigner von Factory Records, entworfen und ist ein Meisterwerk minimalistischer Ästhetik, das zugleich Tiefe und Bedeutung vermittelt. Es zeigt eine schwarz-weiße Fotografie eines Marmordenkmals aus dem Familiengrab der Appiani, das sich auf dem historischen Friedhof Staglieno in Genua, Italien, befindet.

Die Fotografie wurde von Bernard Pierre Wolff aufgenommen und zeigt eine Grabskulptur, die trauernde, in edlen Gewändern gehüllte Figuren darstellt, die um einen Toten trauern. Diese Figuren sind in ihrer Ausführung äußerst detailreich und vermitteln eine stille, aber ergreifende Stimmung der Endgültigkeit und des Verlustes. Die Wahl dieses Bildes war kein Zufall: Es greift die zentralen Themen des Albums – Tod, Trauer, Vergänglichkeit und Isolation – auf und ergänzt sie auf visueller Ebene. Besonders bemerkenswert ist die tiefe Symbolik, die im Gegensatz zu anderen Albumcovern dieser Ära nicht direkt plakativ wirkt, sondern subtil und nachdenklich ist.

Die gesamte Gestaltung des Covers ist in monochromem Schwarz-Weiß gehalten, was die zeitlose und unerschütterliche Ästhetik des Albums unterstreicht. Das minimalistische Layout ohne jegliche grellen Farben oder auffälligen Schriftzüge spiegelt die emotionale Zurückhaltung und Eleganz wider, die auch in der Musik zu finden ist. Der Schriftzug „Joy Division“ und der Albumtitel „Closer“ sind klein und dezent am unteren Rand platziert, was den Fokus vollständig auf das Bild lenkt.

Die Wahl dieses Grabmals als Motiv sorgte jedoch nach der Veröffentlichung des Albums für Kontroversen. Da „Closer“ nur wenige Wochen nach dem tragischen Tod von Ian Curtis veröffentlicht wurde, empfanden viele das Bild als makaber oder unangemessen. Tatsächlich war die Entscheidung für das Motiv bereits getroffen und das Design abgeschlossen, bevor Curtis’ Tod eintrat, was das Cover nachträglich noch schicksalhafter wirken lässt.

Die Kombination aus der erhabenen Traurigkeit der Skulptur und der reduzierten, nüchternen Gestaltung macht die Cover-Art zu einem perfekten visuellen Spiegelbild der Musik von „Closer“. Es ist nicht nur eine visuelle Ergänzung des Albums, sondern ein integraler Bestandteil der Gesamtwirkung – ein Kunstwerk, das auf mehreren Ebenen interpretiert werden kann und dabei genauso zeitlos bleibt wie die Musik selbst.

„Closer“ spiegelt die außergewöhnliche Chemie zwischen den Bandmitgliedern Ian Curtis, Bernard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris, die innovative Vision des Produzenten Martin Hannett und die kreative Energie der aufstrebenden Musikszene Manchesters wider. Zusammen mit „Unknown Pleasures“, dem Debütalbum von Joy Division, das am 15. Juni 1979 veröffentlicht wurde und als Wendepunkt in der Musikgeschichte gilt, markiert „Closer“ die dunkle, introspektive Ästhetik einer Ära und definiert zugleich eine neue musikalische Sprache.

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